Wieso bleiben gute Vorsätze oft nur gute Vorsätze?

Aktualisiert: 2. Juni 2018

Oder: Ist Veränderung reine Disziplin?

Hamsterrad

Immer das selbe. An Neujahr, im Frühling, auf den Sommer. Diese Vorsätze. Gesünder essen, weniger essen, weniger trinken, mehr trainieren. Für das gute Gewissen, die Bikinifigur, ein besseres Gefühl oder mehr Leistungsfähigkeit. Etwa ein bis zwei Monate bist du total motiviert und alles geht gut voran. Doch ehe du dich versiehst, bist du zurück im alten Muster. Vergessen sind die Vorsätze und die Disziplin hat sich auch in Luft aufgelöst. Die Trägheit, die Kilos, die Müdigkeit und das schlechte Gewissen sind zurück und du bist Null Komma nichts wieder im selben stetigen Trott. Doch wieso ist es so schwierig, gute Vorsätze in Taten umzusetzen? Wieso bleiben die meisten Vorsätze doch nur Vorsätze? Fehlt es uns einfach nur an Disziplin? Oder wollen wir die Veränderung eigentlich gar nicht?


Wie unser Unterbewusstsein uns einen Strich durch die Rechnung macht

“Der schwierigste Weg, den der Mensch zurückzulegen hat, ist der zwischen Vorsatz und Ausführung.” Wilhelm Raabe

In meinem zweiten Blogartikel habe ich kurz unsere verschiedenen Bewusstseinsebenen angesprochen. Das Überbewusstsein ist unsere Verbindung zur Seele, unsere Intuition. Mit unserem Tagesbewusstsein steuern wir nur einen ganz kleinen Teil unserer Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen. Den Hauptteil übernimmt das Unterbewusstsein, unser Autopilot. Um zu verstehen, wie diese Bewusstseinsebenen zusammenspielen, kann man sich diese so vorstellen: Unser Überbewusstsein ist ein leichter Segelflieger mit Weitblick. Unser Tagesboot gleicht eher einem Speedboot, das schnell vorankommen möchte. Das Unterbewusstsein ist ein äusserst langsames und träges U-Boot. Alle drei sind miteinander verbunden. Das Speedboot ist zwar schnell und der Segelflieger leicht, doch das träge U-Boot bremst mit seiner immensen Power beide aus.


Doch wieso soll uns unser U-Boot an etwas Positivem hindern?


In unserem Unterbewusstsein wird alles aufgezeichnet. Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen, die über längere Zeit gleich bleiben, werden als Muster abgespeichert, das jederzeit wieder abgerufen werden kann. So wie das Zähneputzen. Doch was ist nun mit den Fettpölsterchen oder der schlechten Gesundheit und den zu wenigen Muskeln? Unser Unterbewusstsein, das träge U-Boot, mag Gewohnheiten und hasst Veränderungen. Bleibt alles gleich, wird es (paradoxerweise) im Unterbewusstsein als “gut funktionierend” und “im Einklang” abgespeichert. Der Körper ist im Gleichgewicht, denn dieser Zustand dauert ja schon eine ganze Weile an. Kommt nun das Speedboot mit einem guten Vorsatz, gewinnt dieses zwar erst an Geschwindigkeit. Doch irgendwann schaltet sich das U-Boot ein und zählt 100 Gründe auf, wieso es besser ist, alles beim Alten zu lassen. Da unser Speedboot nur gerade 2-4% unseres Bewusstseins ausmacht, ist es leicht beeinflussbar und lässt früher oder später das U-Boot wieder die Geschwindigkeit bestimmen. Betrachtet man dies aus Sicht der Quantenphysik erklärt sich das Ganze so: Wenn du (mit deinem Unterbewusstsein) immer wieder die gleichen Gedanken und Gefühle hegst, ist keine Veränderung möglich. Denn durch die selben Gedanken und Gefühle produzierst du auch im Körper immer wieder die selben chemischen Signale. Erhalten deine Zellen immer wieder die selben Signale, ist der Körper so an diese gewöhnt, dass er irgendwann “süchtig” danach wird und logischerweise, immer mehr davon möchte. Wenn du also ständig denkst: “Ich bin doch zu dick” und “Ich bin nicht sportlich genug”, projizierst du auch ständig wieder diese neue Realität, denn dein Unterbewusstsein setzt alles daran, dass es so bleibt. Du lebst also in der Vergangenheit resp. deine Vergangenheit wird immer wieder erneut zu deiner Gegenwart. Hochkomplex, aber irgendwie doch einleuchtend, oder?

Wie überwindest du diese Mind Behaviour Gap?


Um einen guten Vorsatz umzusetzen, musst du also den Graben zwischen dem, was du sein willst und dem, was du bist, überwinden. Die sogenannte Mind Behaviour Gap. Gute Vorsätze umzusetzen ist jedoch kein Ding der Unmöglichkeit und erfordert auch nicht Unmengen an Disziplin und harter Arbeit. Aber: Es braucht ein komplettes Umdenken. Und das ist wohl das Schwierigste an der ganzen Sache, denn unsere immer gleichen Gedanken prägen uns stark. Ich persönlich hatte nie viel für gute Vorsätze übrig, aber ich hatte immer wieder die selben Gedanken, die mich daran hinderten, Ziele zu erreichen. Gedanken wie: “Ich bin nicht gut genug dafür” oder “Das schaffe ich niemals”. Doch wenn du einen guten Vorsatz oder ein Ziel umsetzen möchtest, musst du viel grösser denken, als du eigentlich bist. Denn nur wenn du über deine gewohnten Gedanken hinaus denkst und über deine gewohnten Gefühle hinaus fühlst, ist Veränderung möglich. Dazu brauchst du erst mal ein konkretes positiv formuliertes Ziel. Denn unser Unterbewusstsein, unser Autopilot, kann nicht steuern ohne klare Koordinaten. Es reicht nicht, wenn du in deinen Autopilot eingibst, er soll irgendwo nach Frankreich fahren. Du wirst nie da ankommen, wo du eigentlich hin wolltest. Und wie du bestimmt auch irgendwann im Wirtschaftsunterricht gelernt hast, müssen Ziele SMART sein. Spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert, dass sind deine Koordinaten, die ganz klar das Ziel beschreiben. Formuliere deine Ziele positiv und in der Gegenwart, als wenn du sie bereits erreicht hättest. Halte dir deine neue Wirklichkeit vor Augen und stelle dir vor, wie es sich anfühlt, wenn du am Ziel angekommen bist. Die (innere) Visualisierung ist eines der stärksten Instrumente, um Ziele zu erreichen. Experimente haben sogar gezeigt, dass sich die Zellen von Menschen, die physisch Klavier übten und solchen, die in Gedanken Klavier übten, ähnlich stark verändert haben! Denke also so, als hättest du alles schon erreicht und sei dankbar dafür. Denke dich in die grösste Version deiner Selbst und lasse keinen Raum mehr für Zweifel, denn diese halten dich davon ab, Ziele zu erreichen. Solltest du doch einmal zweifeln, dann halte alle Gründe fest, weshalb du gar nicht zweifeln musst. Mach nicht andere oder die Umstände dafür verantwortlich, dass du Vorsätze bisher nicht umsetzen konntest. Denn nur du allein trägst die Verantwortung dafür und es gibt keine Ausreden. Wenn du dir dies zu Herzen nimmst, hast du bereits an deiner “inneren Welt” gearbeitet und diese auf Zielgerade gebracht. Und das ist der grösste Schritt. Nun überlege dir, was genau du in der Aussenwelt tun musst, um deine Vorsätze und Ziele zu erreichen. Und dann: Tu es!


wrap up


Viel zu oft beeinflussen unsere (negativen) Gedanken unsere Wirklichkeit und hindern uns daran, gute Vorsätze umzusetzen. Der Gedanke, etwas nicht zu schaffen oder etwas nicht zu verdienen, bewirkt jedoch, dass wir stetig in der Gegenwart gefangen bleiben. Veränderung kann nur dann stattfinden, wenn du viel grösser denkst, als du jemals gedacht hast.


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