Warum tun wir, was wir tun?

Aktualisiert: 19. Aug. 2019

Oder: Ist das Hamsterrad unser geistiger Untergang?


Hamsterrad


Kennst du das Gefühl, wenn morgens der Wecker klingelt und das Allerwenigste, das du möchtest, ist aufzustehen, weil die Arbeit ruft? Wenn du einfach nicht in die Gänge kommst und jeden Tag etwas später zur Arbeit erscheinst - flexible Arbeitszeiten sei dank? Und kennst du das Gefühl, dass du eine Stunde früher wach bist als dein Wecker, weil du dich so sehr auf deinen Tag freust? Zum Beispiel wenn du in die Ferien fliegst? Zufall? Nein, keinesfalls. Eher ein Indiz dafür, dass es Zeit ist, darüber nachzudenken, warum du tust, was du tust.


das verflixte hamsterrad

“Viele Menschen sterben mit 25, aber werden erst mit 75 beerdigt.” Benjamin Franklin

Denn nicht ohne Grund versucht dich Irgendetwas daran zu hindern, Irgendetwas zu tun, das dich irgendwie gar nicht glücklich macht. Aber arbeiten muss man halt. Arbeiten ist langweilig. Arbeiten ist stressig. Arbeiten macht unzufrieden. Das waren lange Zeit meine Glaubenssätze. Ich ging davon aus, dass ich etwas tun muss, das mich unglücklich macht, damit ich dafür Geld habe, mir etwas zu leisten, das mich glücklich macht. Und zwar jahrelang. Tag für Tag. Ist das nicht ein totaler Widerspruch? Und obwohl mir jeden Morgen eine innere Stimme zuflüsterte, dass es das nicht sein kann. Dass es noch mehr geben muss. Ein Gefühl, dass mich in meinem Job eher zu einem Roboter machte, als zu einem inspirierten und kreativen Menschen. Jeden Tag da, am selben Ort, am selben Platz, 9 to 5. Willkommen im Hamsterrad. Die gleichen Arbeiten, die gleichen Probleme, keine Lösungen. Bis irgendwann der Zeitpunkt da war, die Notbremse zu ziehen.



Aber wieso tun wir uns das an?


Tony Robbins, der amerikanische Bestseller-Autor und NLP-Trainer (Neuro-Linguistisches Programmieren) definierte sechs Motive, die Menschen antreiben: Sicherheit, Abwechslung, Wachstum, Bedeutung, Verbindung, Beitrag. Wobei die Sicherheit mit Sicherheit eines der ausgeprägtesten Motive ist. Es ist schon ganz bequem, wenn da am Ende des Monats was auf’s Konto kommt. Und es ist auch so schön einfach, jeden Tag zu wissen, was einen erwartet. Nebst dem Motiv der Sicherheit kommt eine weitere Schwierigkeit hinzu: Das Umfeld. Freunde, Bekannte und Partner tendieren oft zur Abwehrhaltung gegenüber einer Veränderung, denn eine Veränderung ist für sie genau so ungewiss wie für einen selbst. Das ist die Natur des Menschen. Bei mir war die Sicherheit der stärkste Treibstoff meines persönlichen Hamsterrades. Es war nicht unbedingt die Angst vor Neuem. Es war vor allem die Angst davor, für eine Zeit lang vielleicht kein Geld zu verdienen. Geld für Verpflichtungen, die bezahlt werden müssen. Und dann willkürlich von einem ins nächste Hamsterrad zu rennen. Dafür habe ich es in Kauf genommen, an Ort und Stelle zu treten und dabei langsam zu sterben - geistig.


Warum das Hamsterrad unser geistiger Untergang ist und es sich deshalb immer weiter dreht


Ja, man kann auch einen geistigen Tod sterben. Denn die Verschaltung unserer Nervenzellen bildet sich zurück, wenn wir nichts Neues lernen oder uns nicht mehr aus unserer Komfortzone bewegen. Die Synapsen kollabieren sprichwörtlich, werden sie nicht mehr stimuliert. Man wird zum Hamster, der immer weiter rennt aber nicht mehr weiss, warum. Und dabei ist gerade das "warum" so entscheidend. Denn das "warum" gibt dir einen Sinn, in dem was du tust. Und bringt dir deshalb mehr Sicherheit als Geld zum Monatsende - das Geld ist bei einer sinnvollen Tätigkeit dann die Sahne obendrauf. Die gute Nachricht, sobald du deine Nervenzellen neu forderst, beginnen sich die Zellen wieder zu verschalten (Stichwort Neuroplastizität). Es besteht also Hoffnung in der Veränderung.


Deshalb: Aussteigen

Die Entschaltung der Nervenzellen ist also ein Hauptgrund, weshalb es so schwierig ist, etwas an einer festgefahrenen Situation zu ändern. Mittendrin verliert man den Blick für das Ganze und es fällt immer schwerer, die Vogelperspektive einzunehmen. Ein ähnliches Phänomen kannst du auch beobachten, wenn du bspw. eine Schlussarbeit für das Studium schreibst. Irgendwann hast du dich so intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt, dass du keine Fehler oder Widersprüche mehr findest. Erst wenn du die Arbeit für eine Weile weg legst, siehst du alles wieder ganz klar. Ich blieb lange Zeit in dem Zustand des reinen Funktionierens. Dann kam die Abgestumpftheit und Lethargie, später die körperlichen Symptome. Ist man einmal drin im Hamsterrad, gibt es aber eigentlich nur eine wirklich sinnvolle Lösung: Aussteigen bevor es zu spät ist. Denn ist es zu spät, bezahlt man den doppelten Preis. Und die Extrafahrt wird so richtig teuer, denn du bezahlst mit so viel mehr als Geld. Ich wünschte, ich hätte nicht bezahlt. Aussteigen muss aber nicht heissen, gleich den Job hinzuwerfen und sich selbständig zu machen. Veränderung kann auch im bestehenden Job aber mit neuen Aufgaben oder in einem ähnlichen Job in einer neuen Firma stattfinden. Manchmal reicht ein kleiner Tapetenwechsel, um wieder richtig atmen und sich lebendig fühlen zu können.


wrap up


Wenn du jeden Morgen merkst, dass etwas nicht stimmt und du deiner Arbeit nur aus dem Motiv der Sicherheit nachgehst, ist vermutlich der Zeitpunkt für eine Veränderung da. Und wenn du keinen Sinn in deinem Tun siehst, bist du bereits mitten im Hamsterrad. Es ist nun Zeit, auszusteigen, bevor du für deine Fahrt bezahlst und zwar mit deiner Gesundheit. Doch wie entkommt man nun dem Hamsterrad, wenn man nur noch funktioniert und gar nicht mehr klar denken kann? Dazu mehr in einem meiner nächsten Blogartikel.


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