• Vanessa

Wie verlasse ich das Hamsterrad?

Aktualisiert: 25. Sept. 2019

Oder: Schaffen das nur besonders Mutige ?

Hamsterrad

Hast du dich auch schon öfters gefragt, ob deine Arbeit wirklich alles ist? Wünschst du dir, dass du dich nicht mehr täglich dazu zwingen musst, etwas zu tun, dass dir keinen Spass macht, nur um Spass zu finanzieren? Und zwar am Wochenende, auf das du sprichwörtlich schon am Montag sehnlichst wartest?


Das verflixte Hamsterrad

In meinem ersten Blogartikel bin ich bereits darauf eingegangen, wieso wir oft zu lange im Hamsterrad verweilen. Denn das Verlassen der Komfortzone braucht etwas Mut und widerstrebt oftmals unserem Wunsch nach Sicherheit. Andererseits hat es uns im Hamsterrad bereits so durchgeschüttelt, dass wir manchmal vergessen, dass es noch etwas anderes geben könnte. Etwas, das uns sinnvoll erscheint und Freude macht. Doch wie kann man nun aus dem Hamsterrad entfliehen, wenn es wirklich keine Zukunft mehr hat, darin zu bleiben? Oder sich bereits erste der vielfältigen Symptome einer stressbedingten Krankheit zeigen?


1. Schritt: Top oder Flop im Job?

Der erste und gleichzeitig einer der schwierigsten Schritte ist immer die Erkenntnis, dass sich etwas an einer Situation ändern muss. Meist zeigen sich zwar, vielfach unbewusst, die Anzeichen recht deutlich. Es wird schwieriger, morgens aufzustehen, man wird launisch oder unzufrieden, man ärgert sich häufiger über Kleinigkeiten oder isst deutlich ungesünder. Um sich dessen jedoch wirklich bewusst zu werden, braucht es meist etwas Abstand. Bei mir kam die Erkenntnis oft, als ich in den Ferien war und diese sich langsam dem Ende neigten. Ich fühlte bei der bevorstehenden Abreise, wie sich mein gesamter Körper dagegen sträubte, zurück in den Arbeitsalltag zu gehen. Manchmal hilft es jedoch auch einfach einmal, die Vor- und Nachteile der aktellen Jobsituation gegenüberzustellen. Überwiegen die Nachteile eindeutig, ist klar, dass etwas geändert werden muss. Ausserdem kannst du dir in dieser Phase folgende Fragen stellen:

  • Was gibt mir mein aktueller Job, ausser finanzieller Sicherheit?

  • Habe ich Möglichkeiten, mich weiter zu entwickeln?

  • Mit welchem Gefühl stehe ich morgens auf und gehe zur Arbeit?

  • Was macht mir bei meiner Arbeit wirklich wirklich Spass?

  • Wie ist das Arbeitsklima an meinem Arbeitsplatz resp. das Verhältnis zu meinen Arbeitskolleginnen und -kollegen?


2. Schritt: Wie steht’s um meine Kohle?

Finanzielle Sicherheit hält uns oft davon ab, einen Job aufzugeben, der uns eigentlich nicht gut tut. Doch am Ende solltest du dich immer fragen, was schlimmer ist: Weniger finanzielle Mittel oder weniger Gesundheit. Dennoch ist es von Vorteil, einen Jobwechsel langsam anzugehen und im Vorab die Finanzen genau zu analysieren sowie ein Budget aufzustellen. Überlege dir auch ein Worst Case Szenario und einen Plan B. Denn weisst du, was das Schlimmste ist, das dir in einer gekündigten Situation passieren könnte, kannst du Lösungsansätze entwickeln, bevor die Zeit dazu zu spät ist. Somit schwächst du dein Worst Case Szenario aktiv ab. Stelle dir ausserdem folgende Fragen:

  • Wo könnte ich Geld einsparen?

  • Habe ich weitere Einnahmequellen?

  • Könnte ich neue Einnahmequellen erschliessen (zb. durch freelancen)?

  • Wieviele Monate kann ich mit meinen Ersparnissen überbrücken?

  • Ab wann bekäme ich Arbeitslosengeld und wieviel?

  • Könnte ich mein Pensum reduzieren, um mir etwas Luft zu verschaffen?

  • Was wäre mein Worst Case Szenario? Mein Plan B?


3. Schritt: Raus aus der Komfortzone

Ist dir wirklich klar geworden, dass du dein persönliches Hamsterrad verlassen musst und deine finanziellen Mittel es erlauben, dann künde! Ich höre dazu immer wieder, dass dies nicht einfach ist und man ja erst einen Job brauche, um kündigen zu können. Doch das Ding ist: Bist du im ungekündigten Arbeitsverhältnis wird deine Motivation, einen neuen Job zu suchen, sich sehr wahrscheinlich in Grenzen halten. Denn du hast ja noch ein Einkommen und irgendwann kommt dann schon etwas Neues. Aber so läuft es nicht und du dümpelst vermutlich noch viel zu lange im Hamsterrad dahin, bis dir irgendwann richtig schlecht wird. Doch dann ist es unter Umständen bereits zu spät und du bezahlst mit deiner Gesundheit dafür, in der Komfortzone geblieben zu sein. Auch wird dein Geist im ungekündigten Arbeitsverhältnis vermutlich nicht frei genug sein, um dir zu überlegen, was du denn lieber tun möchtest als du aktuell tust. Genau aus diesen Gründen habe ich immer meinen Mut aufgebracht und einfach gekündigt, ohne Nachfolge-Job. Anfangs zwar dies zwar eine schier nicht zu bewältigende Hürde, ein Sprung ins kalte Wasser. Doch sobald das Schreiben eingereicht war, kam eine unbezahlbare Erleichterung hinzu und ich konnte alle meine Kräfte darauf konzentrieren, einen für mich besser geeigneten Job zu finden. Um dir einen letzten Kick zu geben, frage dich:


  • Wie fühle ich mich, wenn ich daran denke, in der jetzigen Situation bleiben zu müssen?

  • Wie fühle ich mich, wenn ich an eine neue Zukunft denke?

  • Wer könnte mich bei der Kündigung mental unterstützen? Wer hat vielleicht das selbe schon einmal gewagt?

  • Was überwiegt, die Angst oder die Freude auf die Zukunft?


4. Schritt: Erträume deine Ziele

"Und plötzlich weisst du: Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen." Meister Eckhart

Jetzt wo du im Kopf “frei” bist, da du gekündigt hast, kannst du dich getrost deinen Zielen widmen. Und davon ist es immer gut, welche zu haben. Denn rennst du ziellos durch das Leben, weiss dein Unterbewusstsein, dein innerliches Navigationsgerät, nicht wohin es dich führen soll. Und du bekommst, was du gar nicht willst. Ein gutes Ziel ist dabei aber essentiell. Ziele sind immer in der Gegenwart formuliert und bewegen sich “hin zu” statt “weg von”, da dies ansonsten von unserem Unterbewusstsein nicht korrekt interpretiert werden kann. Am Beispiel mit dem Nichtrauchen wäre ein gutes Ziel “Ich atme frei und bin gesund” statt “Ich rauche nicht mehr”. Auch soll ein Ziel SMART (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert) sein. Um dein berufliches Ziel zu finden, braucht es nebst Mut auch eine gewisse Portion an Selbsterkenntnis. Denn nur wer sich seiner Stärken, Schwächen und Ängsten bewusst ist, weiss, wo seine Potentiale liegen. Und spürst du bei einem Gedanken ein besonderes Kribbeln, ist es vermutlich gar deine Berufung. Hast du dieses Etwas gefunden, dann fixiere dein Ziel, lass es nicht mehr aus den Augen und stelle dir bewusst vor, wie sich die Erreichung deines Ziels anfühlen wird. Denn nur wenn du dein gesamtes Bewusst- resp. Unterbewusstsein darauf fixierst, bewegst du dich in Richtung deines Ziels und die Dinge werden sich plötzlich fügen, wenn du dem Zauber des Anfangs vertraust. Folgende Fragen können dir dabei helfen, dein berufliches Ziel zu finden:


  • Welche Tätigkeiten machen mir Freude?

  • Wie will ich mich bei meiner Arbeit fühlen?

  • Was sind meine Stärken? Was meine Schwächen?

  • Wo sehe ich mich in 5 Jahren?

  • In welchen Situationen empfinde ich Glück?

  • Womit konnte ich mich als Kind stundenlang beschäftigen?

  • Was würde ich tun, wenn ich alles werden könnte und Geld keine Rolle spielen würde?

5. Schritt: Mindset ist Alles


Nachdem du dein berufliches Ziel gefunden hast oder eine Richtung feststeht, brauchst du das entsprechende Mindset, sprich die richtige Einstellung, um dein Ziel zu erreichen. Sehr oft begegnete ich Menschen, die zwar ihre Ziele hatten, aber trotzdem ihren aktuellen Job nicht kündigen. Und dies trotz enormer Unzufriedenheit. Auf die Frage weshalb, bekam ich meist die Antwort, dass es halt schwierig sei, etwas Neues zu finden. Nein, ist es eigentlich nicht, denn die Arbeitslosenquote ist so gering wie schon lange nicht mehr. Der Punkt ist: Denkst du, es ist schwierig, dann wird's auch schwierig. Das ist das Gesetz der Anziehung. Negative Gedanken ziehen negative Situationen an, positive Gedanken ziehen positive Situationen an. Und das strahlst du an einem Bewerbungsgespräch unweigerlich aus. Ich hab rein durch eine positive Einstellung immer sehr schnell wieder einen Job gefunden, auch wenn andere vielleicht qualifizierter waren und noch mehr Zertifikate hatten. Das Mindset umprogrammieren ist harte Arbeit, da jahrelange selbstkritische Einstellungen Spuren hinterlassen. Folgende Affirmationen können dich dabei unterstützen:

  • Es ist einfach, einen tollen Job zu finden.

  • Ich weiss, was ich kann und ziehe meinen Traumjob magisch an.

  • Es eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten in meiner beruflichen Situation.

  • Ich bin erfolgreich, in allem was ich tue.

6. Schritt: Kommuniziere deinen Entscheid!


Hast du deine finanzielle Situation festgehalten, gekündigt und deinen Träume visualisiert, dann informiere deine Freunde. Aber weshalb nicht schon früher? Ganz einfach, um dich nicht in deiner Entscheidung beeinflussen zu lassen. Denn das Umfeld tendiert oft dazu, dich so haben zu wollen, wie gehabt. Insbesondere wenn deine Träume und Ziele vielleicht in Richtung Selbstständigkeit gehen. Denn für Freunde ist es unberechenbar, wenn jemand plötzlich aus dem Raster tanzt und die Folge davon könnte Gegenwind resp. Abraten von deinen Plänen sein. Auch tendieren Menschen automatisch und unbewusst dazu, eigene Ängste und Einstellungen auf andere zu projizieren. Mit folgenden Fragen kannst du dich dafür wappnen, wenn kritische Fragen kommen sollten (nach Byron Katie):


  • 1. Ist das wahr? (Ja oder nein. Bei nein gehe zu Frage drei.)

  • 2. Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist? (Ja oder nein. Bei nein gehe zu Frage drei.)

  • 3. Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?

  • 3a) Bringt dieser Gedanke Frieden oder Stress in dein Leben?

  • 3b) Welche Bilder aus der Vergangenheit und der Zukunft siehst du, und welche körperlichen Empfindungen tauchen auf, wenn du diesen Gedanken denkst und Zeuge dieser Bilder wirst?

  • 3c) Welche Gefühle tauchen auf, wenn du diesen Gedanken glaubst?

  • 3d) Beginnen sich Zwänge und Süchte zu zeigen, wenn du den Gedanken glaubst? (Lebst du sie mit einem der folgenden Dinge aus: Alkohol, Drogen, Einkaufen, Essen, Sex, Fernsehen, Computer?)

  • 3e) Wie behandelst du die Person in dieser Situation, wenn du den Gedanken glaubst? Wie behandelst du andere Menschen und dich selbst?

7. Schritt: Volle Fahrt in die neue Zukunft


Bist du mit allem so weit, dann musst du nur noch am Ende deiner Kündigungsfrist aus dem Hamsterrad aussteigen. Un du wirst sehen, dass das Überschreiten dieser Schwelle dir eine unglaubliche Energie geben wird. Nun bist du bereit für die Ära danach und denke stets dran, dass alles nur besser werden kann.


wrap up


Um das Hamsterrad zu verlassen, muss man erst einmal erkennen, dass man sich mitten drin befindet. Denn von innen sieht das Hamsterrad oftmals aus wie eine Karriereleiter. Dazu hilft ein wenig Abstand. Den Ausstieg vorbereiten, lohnt sich. Für die eigenen Träume und Ziele ist man jedoch meist erst bereit, wenn man bereits gekündigt hat. Beim Entscheid dazu sollte man sich möglichst nicht vom Umfeld abhalten lassen. Mit dem Ziel vor Augen steht einer beruflichen Neuerung schliesslich nichts mehr im Wege.


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